Die Rechnungslegung über den Geschäfts- oder Firmenwert (Goodwill) steht vor einer Neuausrichtung. Diese Entwicklung manifestiert sich im neugefassten IFRS 3 (rev. 2008), der ein Unternehmenswahlrecht zur Zusatzaktivierung eines "Minderheiten“-Goodwill (sog. Full Goodwill-Methode) eröffnet und bei Inanspruchnahme den Unterschiedsbetrag zwischen Unternehmenswert und bilanziellem Eigenkapital reduziert. Zudem steht seit Inkrafttreten des IFRS 3 im Jahre 2004 die ausschließlich außerplanmäßige Abschreibung des derivativen Goodwill im Fokus der Diskussion (impairment only approach). Die verpflichtende Allokation auf cash generating units (CGU) führt - trotz Vorliegen eines expliziten Wertaufholungsverbots für den derivativen und eines Ansatzverbots für den originären - de facto zu einer Nachaktivierung des originären Goodwill.
Vor diesem Hintergrund stellt sich aus Informationsgesichtspunkten die berechtigte Frage nach einer möglichen Abschaffung des expliziten bilanziellen Einbeziehungsverbots nach den IFRS. Hieran knüpft die Monografie von Haaker an, welche im Kern eine Würdigung der Harmonisierungspotenziale zwischen in- und externem Rechnungswesen aus messtheoretischer Sicht vornimmt. Die gesamten Ausführungen gründen auf einer wertorientierten Unternehmenssteuerung (value based management).
Nach einer Einleitung steht im 2. Teil der Schrift das Rechnungswesen als Messinstrument im Fokus. Im Anschluss daran nähert sich der Verfasser dem heterogenen Wesen des Goodwill, wobei besonderes Gewicht auf seine ökonomischen Interpretationsansätze (intellectual capital, Kapitalwert, Übergewinnpotenzial, Synergiepotenzial) und Komponenten nach dem Synergiekonzept gelegt wird. Der vierte Abschnitt trägt derivativen Charakter und behandelt grundlegende Ausführungen zur Konvergenz des in- und externen Rechnungswesens. Hieran folgen im fünften Teil umfangreiche Darlegungen zum Konvergenzpotenzial im externen IFRS-Rechnungswesen. Die nachfolgenden Abschnitte nehmen eine weiterführende Konkretisierung der Möglichkeiten eines angenäherten in- und externen Rechnungswesens am Beispiel der Goodwill-Bilanzierung und der Bereichssteuerung auf der Grundlage von CGU vor. In diesem Kontext erfolgt ebenfalls eine Beurteilung der Zweckadäquanz der betreffenden IFRS-Regelungen. Im 8. Teil der Monografie werden innovative Vorschläge für eine zweckadäquat ausgestaltete CGU-Informationsbilanz, -GuV und -Kapitalflussrechnung gegeben. Die Schrift schließt mit einer kompakten Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse und einem abschließenden Plädoyer für eine bilanzielle Erfassung des Gesamt-Goodwill (inklusive originärer Bestandteile). Haaker bemängelt in diesem Zusammenhang zu Recht die bislang unzureichende Einbindung der außerbilanziellen Zusatzberichterstattung (goodwill reporting) in die externe Abschlussprüfung, sofern keine Eingliederung in den (Konzern-)Lagebericht erfolgt. Der künftigen Ausfüllung dieser Verlässlichkeitslücke kommt in der konträren konservativen Sichtweise (d.h. Bewahrung des bilanziellen Ansatzverbots für den originären Goodwill) eine weitreichende Bedeutung zu.
Dipl.-Kfm. Patrick Velte
(Andreas Haaker: Potential der Goodwill- Bilanzierung nach IFRS für eine Konvergenz im wertorientierten Rechnungswesen - Eine messtheoretische Analyse Gabler-Verlag, Wiesbaden, 2008. 606 S., 69,90 €)